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Industrialisierung ArtikelDie Industrialisierung genannt den Prozess des Übergangs von der Handarbeit zur Fabrikarbeit, der sich auf Maschinen stützte, sowie die Verbreitung dieser neuen Produktionsweise in allen Wirtschaftsbereichen. Deutsche Übergangsformen vom Handwerk ("Lohnwerk", dann "Preiswerk") waren zunächst das Verlagswesen (noch dezentrale Produktion - "Heimwerk" - bei zentraler Auftragsvergabe und Absatzpolitik durch Unternehmer = "Verleger"; Beispiele: Webwaren, Kuckucksuhren, Zigarrenproduktion, Bücher) und Manufaktur (zentrale Fertigung, jedoch am Fabrikationsort parallele Arbeitsplätze; Beispiele: Glas- und Seidenmanufakturen) zur fabriktypischen Arbeitsteilung.
Der Begriff Industrielle Revolution steht dabei besonders für die erste Phase der Industrialisierung. Arnold Gehlen hat sie für die bedeutendste Revolution der Produktivkräfte seit der "neolithischen Revolution" erklärt, seit also dem Übergang vom Jagen, Sammeln und Fischen zu Landwirtschaft und Viehzucht in der Jungsteinzeit vor rd. 20 Tausend Jahren.
Folgt man der Sektoreneinteilung von Fourastié - "Primärer Sektor" der Rohstoffgewinnung (Ackerbau, Viehzucht, Förderung von Bodenschätzen), "Sekundärer Sektor" der Verarbeitung, "Tertiärer Sektor" der Dienstleistungen, auch schon: "Quartärer Sektor" der Freizeitwirtschaft, "Quintärer Sektor" der Abfallwirtschaft - so sind in allen Sektoren Industrialisierungsprozesse aufgetreten, historisch ausgehend vom Sekundären Sektor.
Buch-Tipp: Das Tempo-Virus. Eine Kulturgeschichte der Beschleunigung Ursachen und Folgen der gesellschaftlichen Beschleunigung Einen sehr lesenswerten Beitrag zur Klärung der historischen Wurzeln der Temposteigerung, der zu einem vertieften Verständnis über die Ursachen und Auswirkungen der Beschleunigungsgesellschaft beiträgt, hat Peter Borscheid mit seinem Buch:"Das Tempo-Virus" vorgelegt. Der Autor lehrt Sozial-... | |
Man kann für Beginn und Ende der "Industrialisierung" keine eindeutigen Jahreszahlen angeben. Nach Michael Rostovtzeff stand bereits die hellenistische Antike der Diadochenstaaten auf der Schwelle zur Industrialisierung. Der Übergang von der Manufaktur zur Fabrik wird in dem neuzeitlichen Europa in dem England und Frankreich des ausgehenden 18. Jahrhunderts angesetzt und sich von hier aus über die ganze Erde verbreitet - einer der Hauptimpulse der globalen 'Verwestlichung ' fast aller Gesellschaften.
Überall ist demgemäß von der Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen auszugehen: Gleichzeitig gab es in einigen Gebieten bereits große Ansammlungen von Fabriken und in anderen Gebieten auf dem Lande bzw. in den Städten noch rein bäuerliche bzw. handwerkliche Produktionsweisen.
Während in England die Industrialisierung bereits um 1770 einsetzte, breitete sie sich erst in dem 19. Jahrhundert allmählich von Westen nach Osten aus und begann um 1840 in Deutschland. In dem Russischen Reich und in Japan begann sie erst nach 1880. Heute kann kaum noch ein Teil der Welt als von der Industrialisierung völlig unberührt genannt werden. Auch auf hoher See finden sich Fabriken, beginnend mit dem Walfangmutterschiff, heute auffällig bei Erdölplattformen.
Wo die Industrialisierung nicht 'ankam', so augenfällig bei Wildbeutergesellschaften (Buschmännern in Namibia, Indianern am brasilianischen Amazonas, ozeanischen Inselgesellschaften wie Vanuatu), da bewirkt sie immerhin die Desavouierung ausgefeilter lokaler Fertigkeiten (aus 'gelernten' Fischern werden ungelernte Arme), und damit eine ländliche Verelendung , die durch Wanderungen in die Slums anwachsender Riesenstädte auffällig wird.
Auch der relative Rückgang der Industrie in einer Volkswirtschaft zu Gunsten anderer Wirtschaftsformen, die De-Industrialisierung, ist möglich. Diese ist auch in Teilen der altindustrialisierten Länder auf der Nordhalbkugel der Erde eingetreten.
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Zunächst einmal führte die Industrialisierung zur Serien-, dann Massenproduktion. Zu dem ersten Mal in der Menschheitsgeschichte konnten Güter massenhaft zu günstigen Preisen hergestellt werden.
Aber es wurden vor allem zwei Nebenfolgen zunächst übersehen, welche die Industrialisierung mit sich brachte: zu dem Einen die Soziale Frage, zu dem Anderen ökologische Probleme. Während die Ausbeutung und Entfremdung der Arbeiter bereits in dem 19. Jahrhundert geändert wurde, hat man die Folgen für die Umwelt zwar auch damals schon erkannt, vgl. den Roman "Pfisters Mühle" von Wilhelm Raabe, aber erst in den letzten Jahrzehnten als politisches Problem erkannt. Eine weitere Folge der Industrialisierung ist die Rationalisierung der Produktion: Maschinenarbeit ersetzt stets mehr menschliche (Hand-)Arbeit (Ralf Dahrendorf: "Auszug der Gelernten, Einzug der Ungelernten"), was sich bei großen technischen Durchbrüchen (z. B. in der "Elektronischen Revolution" zeitweise durchaus umkehren konnte.
Buch-Tipp: Die Geburt der modernen Welt. Eine Globalgeschichte 1780-1914 Ein Buch zu dem Leben Wenn wieder einmal die berühmte Frage gestellt wird 'welches Buch würden Sie auf die Insel mitnehmen?' wäre Christopher A Bayly's 'Die Geburt der modernen Welt' (Eng. Orig. 2004 / dtsch. Übers. 2006) für mich dabei. Warum ein Geschichtsbuch auf die Insel mitnehmen? Ganz einfach: weil es eines der bislang wenigen seines... |
Wirtschaftswissenschaften | |
Im Einzelnen - und bis heute (2004) unüberholt, der 'Schwanengesang' der Historischen Schule in der deutschen Volkswirtschaftslehre - vgl. zur Industrialisierung Karl Bücher, Die Entstehung der Volkswirtschaft, zahlreiche Auflagen bereits vor dem Ersten Weltkrieg.
Buch-Tipp: Geschichte der Eisenbahnreise Saga von der Entstehung der modernen Welt Keine Entwicklung hat die moderne Welt derart revolutioniert, wie die Erfindung der Eisenbahn und ihre globale Verbreitung. Wer diesen Prozess auf einem sehr detaillierten Niveau nachvollziehen will, der ist mit dem vorliegenden Buch bestens bedient, denn der Autor liefert nicht mehr und nicht weniger als... |
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Bedeutsam ist der makrosoziologische Aspekt, unter dem generell die Einstellungen (Werthaltungen) zur Industriearbeit bei Belegschaften und Kapitalisten, aber auch breiter Bevölkerungskreise behandelt wird. Da industrielle Fertigung weder 'ewige' noch kurzfristige, sondern langfristige Dispositionen in dem Lebenshorizont von Lohnarbeit und Kapital verlangt, ist das Vorwiegen zunftorientierten Traditionalismus' bzw. spekulativen Spätkapitalismus ' beides der Industrialisierung eines Landes schädlich.
Stark über die wirtschaftswissenschaftliche, produktionsorientierte Auffassung hinaus geht die soziologische Behandlung der Industrialisierung der Destruktion, also vor allem des industrialisierten Krieges . Hier liegt die Parallele zu dem Übergang von Einzel- zu Massenproduktion in dem Übergang von der Einzel- zur Massendestruktion, zu dem Beispiel bei der Entwicklung von Entertaktiken und Handfeuerwaffen zur Schiffs- und Land-Artillerie (Entwicklung der Breitseite und des Trommelfeuers). In postmarxistischen Analysen werden hier "Soldaten" zu einem "struktiven Proletariat". (Siehe auch: Arbeit.)
Die mikrosoziologischen Fragestellungen der Industrie - und Betriebssoziologie richten sich auf alle Aspekte der Industriearbeit.
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